Freitag, 9. Oktober 2020

Tierschutz: Kastrationen!???

 Dieses Thema wird die Gemüter Spalten, dessen bin ich mir durchaus bewusst, jedoch sehe ich eine Tendenz der Tierschützer weltweit, die mich langsam sehr traurig werden lässt, weshalb ich mich dazu entschlossen habe diesen Thread nun doch ins öffentliche Netz zu stellen.

Weltweit sehen Tierschützer und Tierliebhaber streunende Katzen und Hunde, denen es oftmals wirklich nicht gut geht. Sie sind krank, verletzt, am verhungern, geschlagen, getreten, misshandelt und grausam gequält. Gerade Katzen und Hunde kennen viele Menschen als geliebte Familienmitglieder, domestiziert, gepflegt und auch verhächelt. Sie nun in diesen erbärmlichen Zuständen zu sehen, ihnen in der unbehüteten Lebensform zu begegnen und das Leid mitzuerleben, das diese Tiere mitten unter uns Menschen ertragen müssen, ist - und das kann ich nur selbst bestätigen - ein emotionaler Schock.

Das diesen Tieren geholfen werden muss, steht auch für mich völlig außer Frage, jedoch nicht auf dem eingeschlagenen Weg, der seit geraumer Zeit von fast allen Tierschützern weltweit propagandiert wird!

Was diese Tierschützer tun ist folgendes: Sie sammeln Spendengelder um weltweit streunende Hunde und Katzen einzufangen um sie, ohne Kenntniss ihrer einzelnen individuellen Lebens- und auch Evolutionssituation, zugegeben fachmännisch, zu kastrieren, zu entfruchten - ja, unwiderruflich zu beschneiden und ihnen ihr von Natur gegebenes Recht auf Weiterentwicklung im Evolutionsgeschehen zu nehmen. Kastrationen zu Hunderten, ja gar Tausenden ist KEIN TIERSCHUTZ!

Das hört sich jetzt so an, als wäre ich ein Kastrationsgegner - Nein, das bin ich wirklich nicht. Jedoch gibt es wichtige Merkmale, die es bei diesem Thema zu beachten gibt und ich werde mir jetzt Mühe geben, diese hier so gut ich kann zum Ausdruck zu bringen.

Als erstes: Katzen und Hunde sind keine Einheit. Es sind zwei komplett voneinander abweichende Lebewesen. Was dem Hund gut tut, tut der Katze noch lange nicht gut - und umgekehrt. Sie gleich zu stellen, gleich zu betrachten oder gar gleich zu behandeln zum Thema Kastration ist falsch, daher bleibe ich bei den Katzen. 

Ich lebe mit Katzen, liebe und studiere Katzen seit über 30 Jahren, speziell die sogenannte Haus- und Hofkatzen sowie auch "Straßenkatze". In diesen 30 Jahren hat sich so enorm viel für diese Katzen durch unsere Lebensform verändert und zu ihrem übermässigen Leid beigetragen, das ich dies hier in diesem Thread nicht zum Ausdruck bringen kann, da es ganz einfach den Rahmen sprengt.

Straßenkatzen sind keine Haus- und Hofkatzen im weitesten Sinne. Die Lebensumstände von Straßenkatzen stehen in einem ganz anderen Verhältnis als das von Haus- und Hofkatzen - auch heutzutage. Die Differenzierte Beobachtung, sowie die individuelle Entscheidung ob, wann und wo und vor allen Dingen bei welchem Tier genau, eine Kastration durchgeführt werden kann ohne der Population zu schaden, erfordert viel Zeit und somit auch (viel) Geld.

 Katzen, die ohne menschliche Ophut auf der Straße leben, sind nicht zwingend ausgesetzte Tiere. Ausgesetzte Katzen haben bereits einen anderen Evolutionsweg, nämlich dem der Domestizierung über Jahrtausende in ihrem Verhaltensspektrum und können sich nicht, bzw. nur äußerst selten, wie irrtümlich viele meinen, draußen auf der Straße und in freier Wildbahn ernähren. Ausgesetzte domestizierte Evolutionslinien haben das selbständige Leben bereits weitesgehend "aufgegeben" und verlernt. Sie jagen und töten zwar Beutetiere im "Spiel", doch töten und fressen gehört bei Katzen zum Lernprozess, der von Mutter und Vater an die Kitten durch Training weitergegeben wird. Und da Katzen sehr speziell individuell sind, gibt es selbstverständlich auch Katzen/Kater, die auch ohne Training, töten und fressen was sie fangen, dies gilt jedoch nicht für alle und ist ein weiterer Faktor für Katzenleid weltweit. Es gibt Kitten zu beobachten, die sehr schnell lernen und begreifen was Mutter bzw. auch Vater ihnen beibringen möchten und andere, die ziemlich lange brauchen, bis sie sich zum Todesbiss und zum Fressen der Beute durchringen können.

Treffen nun diese "Zögerlichen" Kitten auf Menschen, die ihnen genau in dieser Trainingsphase ihres Lebens Futter anbieten, kommt es durchaus nicht selten vor, das sie das Beutetraining abbrechen und es vorziehen, das Futter anzunehmen, das ihnen hingestellt wurde. Diese Kitten werden zu Katzen/Katern, die enorm Leiden, sobald die Futterbereitstellung durch Menschen ausbleibt. Ich habe viele Katzen und Kater beobachtet, die von einer Futterstelle zur nächsten wandern, hin und wieder Insekten und andere Beutetiere beinahe "ausversehen" fangen und töten, jedoch nicht fressen. Bewegte sich das Beutetier nicht mehr, sahen sie etwas verunsichert aus und gingen zur nächsten Futterstelle.

Anders verhält es sich bei Kitten, die von ihrer Mutter und, gar nicht so selten wie ich eins dachte, auch von ihrem Vater und - das wird jetzt einige Überraschen, auch von ihren kätzichen "Paten", geschult und trainiert werden. Sie nehmen sehr wohl auch gerne eine Futterstelle an, jedoch geben diese das Beutestellen und fressen deshalb nicht auf. 

Kitten ohne diesem Verhalten, geben an ihre Kitten die Futterstellen weiter, Kitten mit diesem Verhalten zeigen später ihren Kitten erst das Beute fangen, töten und fressen, bevor sie ihren Kindern die Futterstellen zeigen. Wann eine Katzenmutti eine gut aufs Leben vorbereitende Verhaltensweise gegenüber ihren Kitten zeigt und wann dies nicht der Fall ist, kann nur über sehr lange Zeit durch beobachten der Population herausgefunden werden, wenn überhaupt, und darf nicht durch vermenschlichte Interpretationen denunziert werden. Großflächige Kastrationen durch Tierschützer sind sogar enorm kontraproduktiv und auf lange Sicht Populationsschädigend (Beispiel dafür ist die bereits auch schon von führenden und anerkannten Katzenexperten beobachteten und benannten Störungen der harmonisch abgestimmten Aufeinanderfolgen einzelner Entwicklungsschritte. So werden die jungen Katzen immer früher Geschlechtsreif, aber ihre körperliche Entwicklung hinkt hinterher. Skelettentwicklung und Wachstum folgen noch dem langsameren Entwicklungsrhyhmus der Wilden Vorfahren...  aus Paul Leyhausens "Katzenseele".)

Einer Population durch "willkürliche" Kastration helfen zu wollen, ist kein guter Weg für diese Tiere. Setzt jemand das bei der überbevölkerten Menschenheit durch, sprechen wir von Menschenrechtsverletzungen und bezeichnes es als Straftat gegen die Menschheit. Bei unserer eigenen Art suchen wir nach anderen Möglichkeiten und lassen bisweilen sogar Mann und Frau selbst entscheiden, ob sie Kinder zeugen oder nicht.

Glauben Sie mir bitte, Katzen haben ebensolche Entscheidungsfreiheit verdient und nehmen sie sogar in Anspruch, wenn wir sie lassen. Ich habe Katzen beobachtet, die ein bis zwei Rolligkeitsphasen "ausgesetzt" haben. Sie hielten sich versteckt in dieser Zeit und haben alle potenzielen Partner vertrieben. Dies waren ausnahmslos erfahrene Straßenkatzen-Mütter.

Die Hingabe einer Katze bei der Aufzucht ihrer Kitten beobachten zu dürfen, berührt mich jedes Mal zu tiefst und ich kann mit Sicherheit sagen, das die Tierschützer, die meinen Katzen leiden darunter, das sie Kinder bekommen, nur als Fehlinterpretation dieser Leute abtun. Es gibt sehr wohl Katzen, die kein gutes Verhältniss zum Gebären und aufziehen haben, jedoch sind diese nicht die aus "gesunden" Populationen. Katzen mit gestörtem Verhältnis zu ihren Kitten, haben oft selbst nachvollziehbare Umstände erlebt, die dazu geführt haben, das sie eben keine wirklich gute Beziehung zu ihrer Natur haben oder aufbauen konnten. Unglücke, Krankheiten und die vielen Menschgemachten Beeinflussungen, die zu Tod und Trennung führen, setzen diesen sensiblen Wesen ebenfalls sehr zu, nicht nur uns Menschen. Nicht nur Menschen trauern, sind geschockt, taumatisiert und depressiv, haben Schmerzen oder werden Krank...

Der Eingriff in die Natur durch Menschen hat vielfältig schädliche Folgen, das wissen darüber verbreitet sich bereits seit Jahrzehnten. Beim Wald heißt es nun entlich: "Die Natur Natur sein lassen" und so ähnlich muss auch Tierschutz aggieren. 

Es ist für Katzen nicht wider ihrer Natur zwei mal pro Jahr Kitten zu gebähren. Das sich mittlerweile drei bis vier Mal pro Jahr Kittengeburten zeigen, ist ein unglücklicher Umstand der menschgemachten Schädigung wider der Natur und ihren langzeitbedeutenden Evolutionären Abläufen, die der Mensch nicht begreift, jedoch immer und immer wieder drin rumfuscht. 

In einer "gesunden" Katzenpopulation ist die Kitten- und Katzensterblichkeit ziemlich hoch derzeit. Ihr enormes Leid kommt jedoch nicht vom Kinder kriegen, das reguliert sich nämlich, so lange wir es zulassen, selbst. Ihr unermässliches Leid kommt von uns Menschen! Durch uns hungern sie, durch die Menschen ist die Krankheitsanfälligkeit gestiegen, Menschen überfahren Katzen, vergiften sie, quälen und foltern sie, nehmen ihnen ihre Lebensräume und Versteckmöglichkeiten, jeden Platz zum Leben und zum Sein. Menschen sperren Katzen ein, schneiden sie für Sichselbst zurecht, so das Katzen nicht nervig miaun wenn sie rollig sind oder grässlich stinken sobald Katzen und Kater mit ihren natürlichen Markierungen beginnen. Das in einem gemischten Mensch-Tier-Haushalt auch "Geburtenkontrollen" wichtig sind und Kastrationen sehr wohl auch zum engen Zusammenleben in Haus- und Hof dazugehören, steht für mich außer Frage, doch um Katzen ohne menschliche Ophut zu schützen, muss der Tierschutz bereit sein, langwirige Aufklärungsarbeit zu leisten. 

Die Straßenkatzen haben ihre eigene Lebensberechtigung und sie sind Nützlicher als so manch einer denken mag. Sie sind ein Bindeevolutionsglied zwischen Wildkatze und Haus- und Hofkatze und sie brauchen keine willkürlichen Kastrationen im Großformat. Sie brauchen Respekt, Vertrauen und Verständniss, derzeit dringende ärztliche Versorgung (Seuchenbekämpfung!!!) und den freien Zugang zu ihren Lebens- und Futterräumen ohne Gifte und Pestiziede - weltweit! Jägern muss der Abschuss von Katzen grundsätzlich verboten werden, nicht Katzen räubern im Wald, die menschlichen Jäger sind im Wald mit ihren Schusswaffen wider der Natur! Tierbrücken über stark befahrene Straßen sind für viele Tiere eine Schutzfunktion, so auch für Katzen! Katzen, die an Orten sind, wo sie enormen Schaden anrichten, weil sie von Menschen dort eingeführt wurden und andere Tierarten gefährden, gehören tatsächlich eingefangen, kastriert, domestiziert und von dort weggebracht (Neuseeland, kleinere Inselgruppen).

Und sie brauchen Menschen mit Katzenverständnis, die ihnen mit Ruhe, Geduld und Mitgefühl begegnen und über einen lang zu beobachtenen Zeitraum eventuell die Entscheidung für die eine oder andere Katze/Kater treffen, das eine Kastration für dieses Individuum eventuell zum Schutze beitragen kann. 

Der Drang einer Katze und der Drang eines Katers sich zu paaren, ist individuell und unterschiedlich stark ausgeprägt. Junge Tiere wissen überhaupt nicht wie ihnen geschied. Was vorher noch Spiel und Rumraufen war, wird plötzlich zum Paarungsritual und einige Individuen verstört diese Zeit vom Kind zur "Pupertät" enorm. Sie bekommen plötzlich ihre Artgenossen auf eine ganz andere Weise kennengelernt und einige entwickeln regelrecht Angst vorm anderen Geschlecht. Bei jungen Katzen und Katern unterbindet eine Kastration diese Entwicklung mit einem Schlag! Zu beobachten ist nämlich auch, das im Laufe ihrer weiteren Entwicklung ein ganz individuelles Umgangsverhältnis mit dieser Situation entsteht und je nach Erfahrungsaustausch gänzlich andere Verhaltsweisen an den Tag gelegt werden. Auch hier kann der Mensch mit viel Verständnis für Katzen ruhespendend und hilfreich einwirken, ohne gleich den Totalstopp in Form einer Kastration durchzuführen. 

Katzen lernen enorm viel aus den Erfahrungen die sie im Laufe ihres Lebens machen und so wird auch der Mensch als Helfer, Heiler, Freund, Ruhepol und Erweiterung ihrer Lebensform verstanden, solange der Mensch sich danach verhält. Andersherum sind wir Störer, Feinde, Vergifter und Quäler die es zu meiden gilt, Wesen die ihnen nicht Wohlgesonnen sind und vor dennen sie sich lieber in Acht nehmen sollten. 

Katzen sind keine Erfindung der Menschheit und sie sind nicht durch Züchtungen entstanden!

Katzen gehören zum Ökosystem unserer Erde - die Kleinen und die Großen!

Katzen und ihre Evulotionsentwicklungen sind den Menschen noch immer unbekannt und vieles was wir glauben über sie zu wissen beruht auf Irrtümer, Aberglaube und Missverständnissen ihnen gegenüber!

Es gibt nicht viele nenneswerte Katzen-Experten, doch auf einen möchte ich zum Abschluss noch einmal hinweisen: Paul Leyhausen, Verhaltensforscher

Auch Herr Leyhausen hatte bereits erkannt, das Kastraten ganz andere Verhalten zeigen als Naturbelassene und das es wenig mit der Liebe zu diesen Tieren zu tun hat, sie nach menschlichen Bedürfnissen zurecht zu schneiden oder zu züchten.

Liebst du Katzen, liebst du sie genau so wie sie sind - und ebenso als Kastraten.

Jedoch hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun und willst du Katzen schützen, lege nicht Hand an sie! Sind Katzen nicht in Obhut brauchen Katzen zum überleben ihre Natur - das gilt für alle Lebewesen!

Es sind die Menschen vor denen geschützt werden muss, nicht die Katzen vor sich selbst!

 


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